
Es gibt Vorgänge, die noch nicht einmal auf
Sirius Tau II als "normal" durchgingen. Da
wulfft ein Autor allen Erstens einer jungen Frau auf
ihren Blog, weil ihr
sein Buch nicht gefallen hat, und droht mit juristischen Schritten ("Das wird teuer, Lady!").
Auf
seinem Blog wiederum verwahrt er sich unter der Überschrift "Literatur-Kriminalität" gegen "Angiftungen" und fordert, dass man ein Buch "von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen habe (sorgfältig)", bis man eine Kritik dazu überhaupt veröffentlichen dürfe. In einem mittlerweile
entfernten Nachtrag legte er der den "Möchtergern-Literaturkritikerinnen" ferner eine Therapie nahe, in der ihr "reale Jungs [...] besorgend beibringen, worum es in diesem Leben überhaupt geht." (Google
erinnert sich)
So weit, so übel, und wir denken uns: WTF?!
Und doch, man glaubt es kaum, es wird noch viel, viel schlimmer.
Es springt ihm nämlich
seine Verlegerin zur Seite, wittert "eine feindliche und destruktive Kampagne", wirft der Rezensentin "Wirtschaftskriminalität" vor und "willkülich den Verkauf eines Produktes [zu] boykottieren". Weiterhin stellt sie fest, die Rezensentin sei "keine studierte Literaturkritikerin", was man schon daran sehe, dass sie "den fantastischen Abenteuerroman [...] fälschlicherweise in die Kategorie „Fantasy“ abgeheftet" habe, weswegen sie auch "den Börsenverein des Deutschen Buchhandels informieren [werde], dass Sie auf launische Weise Literaturkritiken veröffentlichen."
Sie schließt mit der Ankündigung, gerichtlich gegen die Bloggerin vorzugehen, falls sie ihre Rezension nicht sofort entferne: "Überlegen Sie sich, was für Konsequenzen das alles für Sie haben wird. Das Recht ist auf unserer Seite!"
Man muss sich das noch mal auf der Zunge zergehen lassen:
Die
Verlegerin schreibt das.
Alles nachzulesen
hier in den ersten 5 Kommentaren.
*
Wir meinen: Man kann sich als Autor wirklich glücklich schätzen, wenn einem ein Verlag so die Stange hält. BoD-Autoren träumen davon! So einen Service gibt's nirgends sonst. (Nicht mal bei Axel Springer -- die verstecken sich hinter so kleinlichen Ideen wie Pressefreiheit. Oder dem Grundgesetz. Diese Spalter!)
PS: Da sich der unschöne Verdacht manifestierte, dass es sich bei all den kruden Drohungen um nicht mehr als einen äußerst geschickten Fall viralen Marketings handeln könne, wird die Gazette aus rein wissenschaftlichem Interesse die folgenden Wochen den Verkaufsrang des fraglichen Werks kommentarlos begleiten.
Stand vom 22.1., 12.40 Uhr: 270.464